Anine Hell: «Ich will Erste werden, immer!»

Beim ersten Kennenlernen mit Anine sprang der Funke sofort über. Die gebürtige Schleswig-Holsteinerin sprüht vor Energie und Neugierde. Das hat ihr schon ein buntes Leben geschenkt, für das sie sehr dankbar ist. Besonders der Triathlon hat es auf vielfältige Weise bereichert: «Meinen ersten Triathlon habe ich mit meinen Eltern im Team gefinished. Das hat mir Angst gemacht – immerhin startete ich in Turnschuhen (!) auf dem Rad –  und gleichzeitig sehr viel Freude bereitet. Heute ist es ein grosser Teil meines Lebens. Ich lerne immer dazu und hole Inspiration von den Menschen, die mich auf diesem Weg begleiten.»

«Ich hatte nicht auf dem Radar, dorthin zu fahren»

Eigentlich kommt Anine aus dem Mannschaftssport. Sie spielte lange Handball, kombinierte das Training mit Läufen zur Halle. Sie merkte schnell, dass der Ausdauersport ihr liegt. Das Laufen wurde in ihrer Jugend bald mit einer zweiten Disziplin ergänzt. In Kanada kaufte sie sich von ihrem Praktikumsgehalt ein Rennrad. Es folgte die erste Mitteldistanz (ihr Talent bescherte ihr einen kostenlosen Startplatz) und später ein bezeichnender Moment: der Start in 70.3 Jönköping (Schweden) im Jahr 2016. Mit Vater und Bruder als Unterstützung an ihrer Seite, trat Anine ohne Druck an: «Ich bin mit meinem Rennrad angetreten, wie immer und überall». Es sollte ihr Tag werden! Als Agegrouperin qualifizierte sie sich nämlich für die WM 2017 in Chattanooga. Dieser Meilenstein überraschte sie im ersten Moment: «Ich hatte in Jönköping keine Ahnung, dass eine Qualifikation möglich war und darum auch nicht bewusst auf dem Radar, nach Chattanooga zu fahren.» Während des Jahres Vorbereitung für die WM reifte die Erkenntnis, dass die Qualifikation kein Zufall war: «Ich habe gemerkt, dass ich ein bisschen Triathlon kann.»

Sport ist ein Energiepool

Auf den Lorbeeren ruht sich die Wettkämpferin jedoch nie aus. Jedes Rennen startet Anine gedanklich bei null und mit dem Willen, das Ziel als Erste zu erreichen. Das lässt sie bei der Stange bleiben und sich persönlich und körperlich weiterentwickeln. Sie schöpft täglich aus diesen persönlichen Energiereserven: «Sport ist eine Konstante in meinem Leben, die mich aus diversen Situationen immer wieder zu mir zurückführt.» Dieser Anker lässt sie zwei Jobs und intensive Trainingseinheiten jonglieren: «Wenn du diesen Willen hast, der alles andere hinten anstellt, bleibst du einfach am Ball», so die Profiathletin zu ihrer persönlichen Einstellung. Diesen braucht Anine auch. Die Welt, in der sie sich bewegt, fordert ihr einiges ab. Athleten schenken sich nichts. Nur Talent reicht schon lange nicht mehr aus, der Sport hat sich in den vergangenen vier Jahren stark entwickelt. Was zählt, ist wer in der Vorbereitungsphase jeden Bereich konstant und an allen wichtigen Facetten arbeiten konnte. Physis und Psyche müssen balanciert werden. Wenn man sich mit Menschen umgibt, die ein ähnliches Mindset haben, entstehen ganz natürlich kraftspendende Augenblicke, die diesen Prozess unterstützen. Diese Momente schafft sie unter anderem mit ihren Freundinnen. «Ich habe das Glück, ganz wunderbare Frauen zu kennen, ohne die ich nicht dort wäre, wo ich jetzt bin.» Ihre Freundinnen, Familie und das enge Umfeld werden Anine unterstützen, an den im Jahr 2020 sechs geplanten Mitteldistanzen wieder Topleistung zu zeigen.

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