Bewegungskorrektur – was gilt es zu beachten?

Die Rückmeldung von Handlungs- und Lernresultaten wird, von den unterschiedlichen Ansätzen aus, neben der Übung selbst, als die bedeutendste Einflussgrösse motorischen Lernens betrachtet. Aufgrund dessen ist es für Coaches zentral zu wissen, was, wann und in welcher Form beim Athleten deponiert werden sollte, um in einer optimalen Leistungsentwicklung zu resultieren.

Bewegungsbeurteilung

Wird die Teilaufgabe der Trainerin betrachtet, die Bewegungsausführung des Athleten zu verbessern, geht es für die Lehrende in einem ersten Schritt darum die ausgeführte Bewegung zu beurteilen. Dabei muss sich die Trainerin zweierlei Fokus-Einschränkungen bewusst sein. So liegt einerseits der Bereich der grössten Sehschärfe innerhalb 2⁰, was bei ausgestrecktem Arm ungefähr dem Daumennagel entspricht. Andererseits ist da die Sakkadische Supression. Damit wird eine Wahrnehmungsunterdrückung zwischen zwei Blickverankerungen bezeichnet. In dieser Phase von 20-200 ms sieht die Trainerin also nur das, was sie zu sehen denkt. Um trotz dieser Fokus-Einschränkungen eine möglichst umfassende Idee der Güte der Bewegung erhalten zu können, gilt es für die Trainerin zum einen eine möglichst gute Beobachtungsposition zu wählen und zum andern vorab eine Blick- resp. Beobachtungsstrategie festzulegen.

Eine Bewegung kann unter diversen qualitativen und quantitativen Aspekten betrachtet werden, welche sowohl einzeln wie auch in ihrer Interaktion auf die resultierende Leistung Einfluss nehmen können. Wie die Praxis zeigt, ist es angesagt, sich als Trainerin im Voraus für wenige Beobachtungspunkte zu entscheiden. Eventuell kann auch eine Check-Liste mit Blick auf die funktionalen Aspekte einer Bewegung Unterstützung bieten. Bei der Analyse der Bewegung geht es dann um die Identifikation der Haupt- und Folgefehler. Hier zeigt sich die Relevanz des sportartspezifischen Bewegungswissens der Lehrenden. Besonders Hauptfehler gilt es in der Folge wiederholt zu betrachten, aber auch die Fehlererwartung zu hinterfragen. Wird eine Korrektur als notwendig eingestuft, gilt es für die Trainerin eine Intervention zu planen.

Fehlerrückmeldung wissenschaftlich betrachtet

Ein Blick in die Literatur zeigt, dass sich diverse Forschungsbemühungen um das Phänomen Feedback und dessen Einfluss auf Leistungen drehten. Magill (2007) unterteilte das Feedback, wie nachfolgende Abbildung zeigt, in das task-intrinsic und das augmented feedback [1]. Ersteres bezeichnet das, was der Athlet selbst aus der Bewegung mitbekommt. Dieses sensorische Feedback unterliegt allerdings Beschränkungen hinsichtlich der Wahrnehmung einer Bewegung. Das augmented Feedback meint eine ergänzende externe Rückinformation, sprich umschreibt also das, was der Athlet nicht mitbekommt.

An einem Beispiel veranschaulicht sieht ein Schwimmer nicht, wie er den Armzug über dem Wasser ausführt. Ein Video oder die verbale Information der Trainerin können seine sensorischen Wahrnehmungen ergänzen. Der Schwimmer kann seine zunächst ungenaue kinästhetische Wahrnehmung zunehmend ausdifferenzieren, indem Verbindungen dieser Information mit einer kognitiv repräsentativen Bewegungsvorstellung geschaffen werden.

Empirische Resultate zur Fehlerrückmeldung

Die Studienlage zusammengefasst, gilt es für Trainierinnen folgende Punkte zu beachten:

  • Präzise Rückmeldungen geben: je genauer, desto besser, wobei der Detailgrad nur so weit reichen sollte, dass der Athlet noch einen Bezug dazu hat.
  • Korrekte Rückmeldungen geben: Lernende passen sich sehr rasch an Rückmeldungen an. Um einen Athleten weiter zu fördern, gilt es sich in der Rolle der Trainerin auch immer wieder zu fragen, ob man noch in der Lage ist, dem Niveau entsprechend rückzumelden.
  • Nicht während der Bewegung korrigieren: Erhält der Bewegende während der Bewegung Informationen ist zwar die unmittelbare Leistung höher, es zeigt sich jedoch eine drastische Umdrehung von der Aneignung zur Retention. Folgender Befund aus einer entsprechenden Studie zeigt diesen Effekt, welcher in der Praxis oft falsch interpretiert wird, besonders eindrücklich [2].
  • Selbsteinschätzung nachfragen
  • Summarisch rückmelden
  • Selbstkorrekturmechanismen fördern
  • Zeitstruktur nicht überbewerten: natürliche Rückmeldefrist. Erinnerungsvermögen gegeben.
  • Videorückmeldungen erläutern: soll ein positiver interner Referenzwert aufgebaut werden, gibt es zwei Möglichkeiten: dem Athleten wird ein Video mit korrekter Bewegungsausführung gezeigt oder ein Video mit schlechter Bewegungsausführung wird adäquat kommentiert. Reines Videoschauen zeigt geringe Lerneffekte, da Fehler wiederholt werden.

[1] Magill, R.A. & Anderson, D. (2007). Motor learning and control. Concepts and applications (10. Aufl.). New York: McGraw-Hill Education.

[2] Armstrong, T.R. (1970). Feedback and perceptual motor skill learning: a review of information feedback and manual guidance techniques. Ann Arbor: Human Performance. Zit. n. Schmidt, R. A. & Lee, T. D. (1999). Motor control and learning: A behavioral emphasis (3. Aufl.). Champaign: Human Kinetics.