Bleib dran! – Referat von Nicola Spirig

Wir waren heute für Euch live dabei am AtupriFit-Referat von Nicola Spirig. Die Triathlon-Olympiasiegerin erzählte, wie wichtig mentale Stärke ist, um Ziele zu erreichen und um langfristig erfolgreich zu sein.

Lasst Euch mit unserem Live Blogpost* zu Höchstleistung motivieren und knackt Eure Bestmarken!

*Die Texte wurden live vor Ort getippt – Schreibfehler und Satzfragmente vorbehalten.

Nicola Spirig wird bald nach Gran Canaria fliegen, um sich für die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo vorzubereiten. Ihr Ziel ist es, wieder Bestmarken zu knacken und die Goldmedaille zu holen. Das richtige Mindset spielt sicherlich eine grosse Rolle dabei.

Zuerst aber gibt Nicola einen Einblick in ein taffes Trainingsprogramm: Sie absolviert jedes Jahr so viele Kilometer zu Fuss und auf dem Rad, dass es für eine Reise um die halbe Welt reicht! Sie schwimmt quasi täglich von Rapperswil nach Zürich, rennt von dort nach Basel und nimmt das Velo nach Genua. Unglaublich! Und wer heute friert … beisst auf die Zähne. Spitzensportler schwimmen bei Eiseskälte im dunklen Wasser, Orientierung ist teilweise schwierig, vor allem bei vielen Teilnehmenden. Auf die wird auch während dem Wechsel aufs Velo ein Blick geworfen. Multitasking: Raus aus dem Neopren, ab auf die zwei Räder und Konzentration vor allem bei spitzen Kurven. Hier platzen Olympiaträume, wenn man ins Rutschen kommt – Nicola spricht aus Erfahrung. Erfahrungen, die sie aber stärker gemacht haben auf ihrem Weg als Spitzensportlerin.

Nicola Spirigs Erfolgrezept:

Es braucht viele Stunden an Training und eine grosse Portion Ehrgeiz. Die bestehenden Grundlagen werden aber mitgegeben:

Das Umfeld: Nicola Spirigs Grossvater, ihr Vater und auch ihre Mutter waren Sportlehrer. Sie wuchs darum polysportiv auf und hat die Leidenschaft für Bewegung quasi in die Wiege gelegt bekommen.
Das Talent: Sie werde oft gefragt, wie viel es aus mache. Aus ihrer Erfahrung weiss sie, dass am Anfang grosse Fortschritte gemacht werden können. Für den Weg an die Weltspitze braucht es aber mehr. Training, Disziplin, viele Stunden Aufdiezähnebeissen.

Jeder von uns hat ein Talent! Es gilt, es zu finden und es weiterzuentwickeln.

Das hohe und realistische Ziel setzen

Gar nicht so einfach, eins zu setzen! Nicolas Motto ist: „Keep your goals out of reach, but not out of sight“ – Anita de Frantz. Hoch soll es sein, aber nicht ausser Reichweite.

Ein Ziel zu setzen ist wichtig, und der Wille es zu verfolgen ist genauso zentral

Nicola Spirig macht 3-4-Jahres-Pläne. Diese werden teilweise auch von Unfällen durchkreuz – erinnert Ihr Euch an Nicolas Sturz in Abu Dhabi 2016? Der Arzt meinte, sie falle bis zu 6 Wochen aus. Sie wusste aber, dass das den Startplatz in Rio gefährdet. Der Spezialist hat darum ihrem Druck nachgegeben, sie so schnell wie möglich fit für den Sport zumachen. 3 Platten und 23 Schrauben in der linken Hand später konnte sie wieder ins Training. Schon krass, immerhin konnte sie nicht selber ihre Schuhe oder ihre Haare binden. Ihr Mann habe da noch einiges gelernt 😉

Rückmeldungen sind für sie extrem wichtig auf dem Weg zum Ziel. Nicola sei eine selbstkritische Person. Ihre Trainingspartner geben ihr Feedback, um sich weiterzuentwickeln. Man muss dafür bereit sein!

Nicola hat 15 Jahre mit ihrem Vater als Trainer gearbeitet. Ihr Vater hat sie zur Olympionikin (in Athen) gemacht. Beide haben gemerkt, dass er aber zu „lieb“ sei. Er hat sie nie pushen können, in diesem Sinn wie Nicola es wollte. Noch einmal: Man muss dafür bereit sein, bis über die Grenzen zu gehen. Papa Spirig ist jetzt Assistant Coach, im 2006 hat sie den härtesten Triathlon-Trainer engagiert.

Nicolas Insider Tipps:

Macht Änderungen, wann Ihr entscheiden könnt – die Art und den Zeitpunkt. Das geht ringer, als wenn Ihr von äusseren Umständen dazu gezwungen werdet.

Trennt Euch von Gewohntem, ohne es abzuwerten – wenn man wertet, geht vieles verloren. Der australische Trainer hat beispielsweise 10 Jahre Trainingsbücher von Nicolas Vater studiert um zu erkennen, dass das System gut ist, und auf das nächste Level gebracht werden kann.

Sie haltet Euch auch an, etwas zu riskieren und zitiert Goethe: „Das Ausserordentliche geschieht nicht auf glattem, gewöhnlichem Weg.“ Die Chancen, Olympionikin zu werden, ist mit einem „normalen Schweizer Trainer mit Schweizer Philosophie“ schwierig. Darum ist Nicola gerne das Risiko des Trainerwechsels. Obwohl Brett Sutton kontrovers ist 😀

Trainingsphilosophie muss passen

Brett Sutton und Nicola hatten eine – sagen wir einmal – interessante Beziehung. Das zeigt zumindest der Frosch, der dem Storch an die Gurgel geht.

Brett hat nämlich Statistiken gewälzt um zu verstehen, warum der Studienwunsch von Nicola so relevant ist. Sie wollte das nämlich als sicheren Hafen, um für das Ende der Sportlerkarriere bereit zu sein und sich ab 2010 vollkommen auf den Sport zu konzentrieren. Sportlich hatten die beiden dasselbe Ziel: Nicola zur besten Athletin zu machen!

Das Unterstützende Umfeld ist extrem wichtig

Es motiviert in verschiedenen Bereichen. Sie nennt ihre Familie, den Mechaniker von von 24 Jahren, Sponsoren. Ihre vier wichtigsten Stützen sind ihr Mann Reto, die Sponsoren/Verband, die Familie und die Trainer/Trainingsgruppe. Shout out an Reto, toller Support! So wie ihre Familie, sie sehe sie mit den gleichen Augen an nach dem Wettkampf, ob sie jetzt als Siegerin rausgeht oder nicht.
Die Sponsoren sind essenziell, den Sport auszuführen – einer der wichtigsten ist der heutige Veranstalter Atupri. Die Trainingsgruppe trifft sich im Sommer in St. Moritz und im Winter unter anderem Gran Canaria. Sie motiviert sich gegenseitig, was wichtig ist. Sie glaubt, dass sie ohne Mannschaft kein Einzelsportler eine Medaille gewinnt.

Die mentale Stärker ist ein grosses Thema

Athleten versuchen sich für grosse Wettkämpfe top vorzubereiten. Wenn vier bis fünf Athleten körperlich in einer ähnlichen Verfassung sind, entscheidet die mentale Stärke! Vier Tipps:

  1. Stell dein Denken infrage. Brett gibt auch im mentalen Bereich Tipps. Nicola fühlt sich dann teilweise kritisiert, obwohl es ja nur zum Besten ist. Darum selber auch hinterfragen, ob es wirklich so super war, wie das Gefühl ist.
  2. Think big: habt den Mut, grosse Ziele zu setzen. Nicola hat lange gebraucht, sich das Ziel Olympiasiegerin zu geben. Aber es hat sich gelohnt, weil sie auf dem Weg zu diesem hohen Ziel viel gelernt hat und viel Erfahrungen sammeln konnte. Das lohnt sich!
  3. Vertrau in deine Fähigkeiten: Selbstvertrauen sei nicht ihres gewesen. Hypnose hat nicht funktioniert, Selbsthilfebücher auch nicht. Brett meinte also, sie solle an ihn glauben, er sei ja der beste 😉 (er hat über 20 Weltmeister und 4 Olympiamedaillen unter seinen Athleten gewonnen). Das hat nicht wirklich geholfen, weil Nicola die Schwachstellen aufgedeckt hat. Sie hat darum einfach so hart gearbeitet, dass sie alle Zeiten von Bretts Athleten geschlagen hat und ist so mit dem Selbstvertrauen in London gestartet, dass sie die Fitteste sei.
  4. Denk in Lösungen: In Peking 2008 hat sie am Vortag ihres Wettkampfes den Marathon angeschaut. Es sei heiss gewesen (Hitze fordert viel ab, schaut hier im Blogartikel). Paula Redcliff hat deswegen Krämpfe bekommen und musste aufgeben. Auch Nicola habe am nächsten Tag während ihrem Wettkampf Anzeichen von Krämpfen gefühlt und habe nur noch das Bild von Paula vor Augen gehabt. Aber sie hat gebissen und ist mit einem guten Resultat über die Ziellinie. Diese mentale Stärke hat sie mitgenommen nach London. Sie wusste, dass sie auch mit Problemen Chancen auf eine Medaille hat. Darum hatte sie nicht nur das Bild des Problems in Kopf hatte. So auch in Rio 2016. Sie hatte für jede Situation eine Taktik. Wenn Nicola trotz das Gefühl an der Wand zu stehen durchkämpft, klappt es meistens auch.

Der akribische Plan hilft mit der Disziplin

Nicola ist in den Vorbereitungen für ihre 5. olympischen Spiele. Man könnte denken, dass man hier das Wissen einfach aus der Schublade ziehen kann. Aber: es ist jedes Jahr wieder anders. Zum Beispiel Rio: Sie war Mami, Titelverteidigerin und hatte Sponsorenverpflichtungen – mal abgesehen davon, dass auch der Schwimmstil angepasst werden musste, weil nicht mehr in einem See, sondern im Meer geschwommen wurde. Darum ist es wichtig, auch Ziele den eigenen Lebensumständen anzupassen. Wie ihr auf Sachen reagiert entscheidet, ob ihr das Ziel erreicht, oder eben nicht.

28. Juli ist Nicola in Tokyo. Sie hat eine Strategie für den Zieleinlauf. Für diese letzten, oft entscheidenden Meter hat sie in Vergangenheit schon Sprints hingelegt, aber auch Steigerungsläufe über eine längere Distanz absolviert. Letzteres machte den Entscheid in London sehr sehr knapp. Nicola hatte ihre Verfolgerin auf einem Bildschirm für VIP-Gäste ständig im Blick. Als der Abstand zwischen der Schwedin und ihr immer kleiner wurde, wollte Nicola noch reagieren, aber die Beine waren müde. Sie hat alle ihre Konzentration noch einmal zusammengenommen und hat an alles gedacht, was sie aus den Trainings hat. Auf der Uhr stand dann tatsächlich +0.00 bei der Schwedin. Nicolas Bauchgefühl war nicht klar, obwohl sie diese Sicherheit fürs Freuen brauchte. Die Minuten für die Auswertung seien darum auch sehr lange gewesen.

Die Emotionen auf dem Olympischen Siegerpodest sind unbeschreiblich, und nach einem Clip zu diesem Kopf an Kopfrennen im 2012 merkt man Nicola immer noch die Emotionen an. Sie wünscht uns, dass wir alle solche Emotionen erleben dürfen.

Wir danken der HWZ und Atupri für diesen gelungenen Anlass! Und Nicola, grosses grosses Dankeschön für diesen tollen Einblicke, wertvollen Tipps und vor allem, Deine super Art!