Bei Hitze sportliche Höchstleistungen erbringen

Diverse, im wahrsten Sinne des Wortes, «heisse» sportliche Grossanlässe beschäftigen SportlerInnen, Coaches, WissenschaftlerInnen, Zuschauende, Medien und viele mehr. So sind beispielsweise die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha in vollem Gange, der Ironman-Showdown auf Hawaii steht kurz bevor und mit den Olympischen Spielen im kommenden Sommer reiht sich ein weiterer Anlass ein. Diesen Wettkämpfen gemein ist die klimatische Bedingung der Hitze, welche Athletinnen und Athleten vor spezielle und teilweise neue Herausforderungen stellt.

Das Erbringen von sportlicher Leistung unter Hitzebedingungen erhöht thermoregulatorische und weitere physiologische Prozesse, welche zu Einbussen in der Ausdauerleistungsfähigkeit führen können. Bei sportlicher Aktivität in der Hitze erhöhen sich konkret die örtliche Durchblutung und Schweissrate, was die vermehrte Wärmeabgabe an die Umgebung erlaubt. Diese thermoregulatorischen Prozesse erhöhen die physiologische Belastung und können bei längerer Belastungsdauer auch zu Dehydration führen. Dehydration ihrerseits verschärft die thermale und kardiovaskuläre Beanspruchung und beeinträchtigt weiter die aerobe Performance. Im Folgenden soll auf einige Punkte eingegangen werden, dank welchen diese Leistungseinbussen reduziert werden können.

primäre Massnahme gegen Leistungseinbusse: Akklimatisation

Als zentralste Massnahme um die physiologische Belastung zu reduzieren und die Leistung zu optimieren gilt die Akklimatisation. Im Rahmen dieser sollten die Trainingseinheiten pro Tag mindestens 60 Minuten umfassen, einen Anstieg sowohl der Körperkern- als auch Hauttemperatur induzieren und weiter die Schweissbildung stimulieren. Unter diesen Voraussetzungen geschehen die meisten Adaptionen im Laufe der ersten Woche des Hitzeaufenthaltes, die weiteren in den darauffolgenden zwei Wochen. Dabei können die Anpassungen bei hochtrainierten Athleten im Vergleich zu Untrainierten bis doppelt so schnell vonstattengehen. Weiter ist die Ausprägung der Anpassungen abhängig von Intensität, Anzahl, Dauer und Frequenz der Hitzeeinwirkungen. Besonders sinnvoll wird die Akklimatisation in einem Gebiet, welches identische klimatische Bedingungen zur Wettkampfstätte aufweist, erachtet. Bietet sich AthletInnen die Möglichkeit einer frühen Anreise nicht, kann bei künstlich erzeugten, also simulierten, Bedingungen trainiert werden. Letzteres erwies sich jedoch trotz ähnlichen physiologischen Adaptionen als weniger spezifisch. Da die Adaptionen – und auch deren Verfall -, wie so oft, individuell unterschiedlich ablaufen, erscheint es als äusserst sinnvoll eine ausreichend lange Zeit vor einem wichtigen Wettkampf probehalber einen Akklimatisationsprozess zu durchlaufen. Unter Umständen kristallisiert sich das individuell optimale Vorgehen auch erst nach mehrmaliger Durchführung heraus.

Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt

Obwohl klar ist, dass es eine zu starke Dehydration zu verhindern gilt, lassen sich zur optimalen Trinkmenge vor, im und nach dem Wettkampf keine mengenmässigen Verallgemeinerungen äussern. Viel mehr hängt diese vom persönlichen Flüssigkeitsverlust, der Flüssigkeitsverfügbarkeit und weiteren Eigenheiten des Wettkampfes (bspw. Dauer) ab. Um keine bösen Überraschungen zu erleben, will auch der Elektrolythaushalt kontrolliert sein. Sinnvollerweise wird der Hydrationsstatus des Athleten über mehrere Tage des Hitzeaufenthaltes gemonitort.

Kühlmassnahmen

Kühlmassnahmen vor und während der sportlichen Aktivität können in vielen Fällen die sportliche Leistungsfähigkeit erhöhen. Als Strategien bieten sich beispielsweise Kühlbäder, die Kühlung von Körperteilen, Ice Slurries oder auch die Anwendung von Methanol an. Auch strahlungsreflektierende, kühlende, gut belüftende Bekleidung mit hoher Wärmeabgabe, unter Umständen auch gekühlt, kann einen Benefit bieten. Verschiedene Kühlmassnahmen lassen sich nach Möglichkeit und sinnvollerweise kombinieren, sollten aber in allen Fällen vorab im Training getestet und individuell abgestimmt werden.

Einblick in die Forschung

Im nächsten Beitrag gewähren wir einen Einblick in die Forschung: Severin Trösch, Sportwissenschaftler an der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen (EHSM) und Experte zum Thema „Hitze“ erklärt, wie Verbände und Sportler von seiner Arbeit profitieren können und welche Fragestellungen aus wissenschaftlicher Sicht noch zu bewältigen sind.


[1] SwissOlympic. Trösch, S. Annaheim, S. Perret, C. Heyer, L. & Wehrlin, J. (2018). Wie bereite ich mich optimal auf Wettkämpfe in feucht-heissem Klima vor? Magglingen.

[2] Racinais et al. (2015). Consensus recommendations on training and competing in the heat. Scandinavian Journal of Medicine and Science in Sports, 25(1), 6-19.