Moxy: Interview mit Andri Feldmann

Andri Feldmann ist Sportwissenschaftler und promoviert am Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern zum Thema „NIRS und Task-Fehlerprognose“. Er ist Mitentwickler des Moxy Monitors (Fortiori Design, LLC). Nach Abschluss seines Masterstudiums gründete Andri Feldmann in der Schweiz ein Unternehmen, welches Trainer und Athleten berät, wie Moxy im Training und in der Diagnostik eingesetzt werden kann. Dieses Unternehmen verkaufte er jedoch, um nun in Teilzeitanstellungen an der Uni Bern sowie für den DACH-Vertrieb der Moxy Monitor (Idiag AG) im Bereich der Produktentwicklung zu wirken.

Grundlagen zu Moxy können im vorherigen Blogbeitrag nachgelesen werden.

Hallo Andri, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, über Moxy zu sprechen. Du bist seit mehreren Jahren an der Entwicklung und Anwendung von Moxy beteiligt. Der breiten Öffentlichkeit in der Triathlon-Szene ist Moxy erst seit wenigen Monaten und nur vage bekannt. Wer hat Moxy bisher hauptsächlich benutzt?

Während NIRS in der Forschung seit vielen Jahren eingesetzt wird, ist die Anwendung im angewandten Sport eher eine Neuigkeit. Der Moxy Monitor wurde 2013 eingeführt und ist tatsächlich das erste athletisch orientierte NIRS-Gerät auf dem Markt. In Anbetracht der oft konservativen Natur von Athleten, Trainern und Sportorganisationen dauert es meist viele Jahre, bis sich eine Technologie durchsetzen kann. Powermeter sind ein gutes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit. Aus diesem Grund ist das Benutzerfeld zwar noch klein, dafür jedoch vielfältig. Von Forschern und Wissenschafter über Trainer bis hin zu Einzelsportlern vertrauen verschiedene Akteure auf Moxy.

Ich kann nicht sagen, welche Gruppe die höchste Benutzerzahl hat. Da ich in Kanada aufgewachsen bin, haben wir mit der Anwendung im Hockey begonnen. Eishockey ist ein hervorragendes Beispiel für die Anwendung von Moxy im Intervallsport, wo die Leistung und Erholung des physiologischen Systems interessiert. Natürlich ziehen sauerstofforientierte Messungen eher Ausdauersportler an und so ist in den USA auch der Radsport ein grosser Anwender. In jüngster Zeit beschäftigte ich mich mit meiner Forschung in Bern mit Kletterern. Hierbei stand das Messen lokaler Muskelgruppen, wie beispielsweise der Unterarmmuskeln im Zentrum, wohingegen bei Radfahrern systemische Messungen dominieren.

Eine deutsche Biathletin absolviert einen Leistungstest. Am Arm und Bein werden mit Moxy Messungen gemacht.
Leistungstests des Deutschen Biathlon Teams mit Moxy’s im Jahr 2018.

Die norwegischen Triathleten haben mit ihren Bildern viel Aufmerksamkeit erregt. Wie kann Moxy im Triathlon-Training eingesetzt werden?

Ich weiss nicht, wie das norwegische Team die Moxy konkret einsetzt, aber ich kann einige Annahmen treffen: Erstens kann Moxy als Diagnoseinstrument verwendet werden, ähnlich wie Blutlaktat- oder VO2-Bestimmungen. Zahlreiche Publikationen zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen etablierten Parametern und NIRS gibt. Dies ermöglicht also das Ableiten klassischer Trainingszonen. Da es sich bei Moxy jedoch um eine Echtzeitmessung handelt, können Sie diese Informationen verwenden, um direkt während dem Training wechselnde Intensitäten oder auch die anaerobe Schwelle respektive das MLSS zu identifizieren.

Weitere Anwendungen sind z.B. die Bewertung von High Intensity Interval Training (HIIT). Im Gegensatz zur Herzfrequenz, welche eine erhebliche Zeitverzögerung hat, reagiert NIRS sofort. Sie können das Ungleichgewicht von Sauerstoff-Angebot und -Nachfrage während des Aktivitätsanteils Ihres HIITs verfolgen und dann ihre Erholung bewerten.

Letzlich bietet NIRS noch eine weitere interessante Komponente. Da das Verhältnis von Sauerstoff-Angebot und -Nachfrage quasi die muskuläre VO2 ist, können qualifizierte Aussagen bezüglich VO2-Limitation getroffen werden. Zahlreiche klinische Studien zeigen Veränderungen des NIRS-Signals als Folge von O2-Versorgungseinschränkungen wie bspw. Herzleistungsreduktion oder O2-Nachfrageeinschränkungen bei der mitochondrialen Myopathie.

Kannst du die Praxisanwendung an einem konkreten Beispiel veranschaulichen?

Eine Studie, welche wir vor zwei Jahren in Bern durchgeführt haben, zeigt meiner Meinung nach auf schöne Art und Weise die Stärke der Anwendung von NIRS im Training. Während dem Sprint Interval Training (SIT) gibt es einige Diskrepanzen zwischen aktiver und passiver Erholung. Wir haben uns entschieden, wiederholte SIT mit aktiver und passiver Erholung durchzuführen und gleichzeitig NIRS zu verfolgen. Unsere Annahme war, dass jedes Protokoll, welches eine schnelle und hohe Muskeloxygenierung erlaubt, auch besser für wiederholte Leistungen geeignet ist. Genau das ist eingetroffen. Während der aktiven Erholung erholte sich NIRS nicht so schnell und die Wiederholungsleistung war reduziert. Die passive Erholung, die für viele meiner Coaching-Kontakte kontraintuitiv war, zeigte eine bessere Erholung des NIRS-Signals und eine bessere Wiederholungsleistung. In diesem Beispiel half uns NIRS die Erholung zu verstehen und präsentierte sich als geeigneter Indikator zur Beurteilung der Erholungsphasen während SIT.

Macht die Nutzung von Moxy im Triathlon-Wettkampf Sinn? Wenn ja, welchen Mehrwert kann dies bringen?

Ja, das kann es. Primär gilt es zu berücksichtigen, dass das Hinzufügen einer neuen Technologie die aktuelle Leistung nicht beeinträchtigen darf. Wenn ein neuer Monitor den Athleten stört, kann das nur negative Folgen haben. Der Athlet muss mit dem neuen Werkzeug vertraut sein und seine Vorteile verstehen. Im Wesentlichen muss also ein Vertrauensverhältnis bestehen. Der Vorteil von NIRS im Ausdauersport liegt in erster Linie in der Beurteilung der täglichen Leistungsunterschiede (Tagesform). Es gibt Feedback über die maximale steady state Leistung des Tages.

Ein Beispiel: sie definieren basierend auf ihrer Erfahrung 200 Watt als zu fahrende Leistung für ihr Rennen. Wenn nun, aufgrund einer gut 10%igen Variation der Leistung von Tag zu Tag, das Leistungsniveau bei 180 oder 220 Watt liegt, können sie entweder explodieren oder sie bleiben unter ihrer eigentlich möglichen Leistung. Grundsätzlich ist die Leistung ist ein grossartiges Werkzeug und funktioniert gut in Kombination mit NIRS. Ich würde empfehlen, die beiden Messungen zusammen zu verwenden.

Zweitens kann NIRS in Bezug auf das Draftings im Triathlon wertvoll sein. Diese Technologie kann helfen den Leistungsaufwand im und ausserhalb des Windschattens in Echtzeit zu beurteilen.

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